#2 Uzhgorod — Timisoara

#2 Uzhgorod — Timisoara

Wie bereits im letzten Beitrag erwähnt, war das Hotel in Uzhgorod wirklich ein bisschen eigenartig. Nicht nur die (zugegeben irgendwie witzige) Ausstattung, auch das gesamte Personal schien chronisch unterbeschäftigt. Im Eingangsbereich sitzt ein älterer Herr, der sich immer nur erhebt, um Leuten die Tür zu öffnen. Am Dienstag musste ich noch ein paar Mal nach draußen zum Auto, entsprechend komisch war es jedes Mal, aber ich glaube, dass der gute Herr durch mich so viel Bewegung wie schon lange nicht mehr erfahren hat.

Als ich dann am Mittwochmorgen zum Frühstück ging, musste ich zunächst an der Rezeption einen Zettel abholen, der mir erlaubte zu frühstücken, natürlich wieder gestempelt und unterschrieben.

Der Frühstückssaal selbst war riesig und eingedeckt für 150 Leute, tatsächlich war ich aber das gesamte Frühstück über die einzige Person im ganzen Saal. Dort saß auch ein Mann auf einem Stuhl, der mir meinen Zettel abnahm und sich dann wieder setzte und seinem Handy zuwandte. Wieder so ein „überflüssiger Job“ in diesem Hotel.
Ein zweiter Mann kam, brachte mir unglaublich trockenes Brot und „Aufschnitt“, wobei dieser etwas fragwürdig aussah — das Omelett, was man mir später brachte, war aber ganz ok.

Beim Auschecken war die Rezeption von drei Leuten besetzt, die sich alle, wie bereits bei der Ankunft, nur auf mich konzentrierten, da ich anscheinend als (einziger?) Gast eine gewisse Ablenkung darstelle. Ich habe tatsächlich während meines Aufenthaltes keine anderen Gäste gesehen.

Die Fahrt durch Uzhgorod war nicht besonders schön, denn Uzhgorod ist eine unglaublich traurige Stadt und geprägt vom Verfall; an den Straßenrändern sitzen bekopftuchte alte Omas und verkaufen Blumen und Obst, die einzigen Farbtupfer in der gesamten Stadt.

Der Ausreise aus der Ukraine lief erstaunlich gut, vielleicht auch weil ich diesmal kein Stoppschild überfahren habe. Dennoch musste ich wieder alle Türen öffnen, Verkleidungen wurden abgeklopft und das Handschuhfach untersucht. Aber ganz ehrlich: Wenn ich etwas schmuggeln will, dann doch nicht im Handschuhfach!?
Die Schilder an den ukrainischen Grenzhäuschen, die freundliche Beamte und Transparenz versprechen, sind zudem eher Wunsch als Realität.

Ukrainische Zettelwirtschaft

Im Niemandsland zwischen der Ukraine und Ungarn fiel mir dann ein, dass man ja für Ungarn Maut bezahlen muss — EU-Roaming sei Dank war das schnell erledigt.
Die Straßen in Ungarn waren schlecht bis mäßig, die Einreise nach Rumänien eine Sache von Minuten.

Autofahren in Rumänien ist fürchterlich. Die „Europastraße“ Richtung Bulgarien ist einfach eine zweispurige Landstraße, entsprechend waghalsige Überholmanöver ereignen sich im Minutentakt — die Leute überholen an den unmöglichsten Stellen, die zahlreichen Wracks am Straßenrand sind stumme, abschreckende Mahnmale.

Zwischendurch tauchen regelmäßig Eselkarren auf, anscheinend ein alltägliches Fortbewegungsmittel im ländlichen Rumänien, voll bepackt mit allerhand Waren.

Es ist wirklich schwer zu glauben, dass das die EU sein soll, wenn man die zahlreichen Dörfer in Rumänien passiert; grassierende Armut, verfallene Häuser, Ruinen. Rumänien ist unglaublich stolz auf seine Mitgliedschaft, an fast allen Straßenlaternen hängen EU-Wimpel im Wind, aber gebracht hat es (noch) nicht wirklich etwas. Der Host des Hostels später  in Timisoara erzählte mir, dass die Analphabetenrate in Rumänien immer noch sehr hoch sei, Kinder nicht zur Schule gehen könnten und viele keinen Zugang zu sauberem Wasser und Elektrizität hätten.

Es mangelt an Infrastruktur und Bildungsmöglichkeiten für untere Schichten, es werden Löhne gezahlt die kaum zum Überleben reichen, es herrscht Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit.

Gebildete Rumänen sehen keine Zukunft in ihrem Land und wandern nach West-Europa oder Amerika aus. Es gibt immer weniger Ärzte und Fachkräfte, weil sich die Situation im Land nicht ändert, aber ohne Fachkräfte wird sich auch nichts ändern — ein Teufelskreis. Aber welcher Arzt will schon für 300€ im Monat arbeiten und dabei selbst noch überleben?

Um aber mal etwas Gutes zu sagen: Das Hostel in Timisoara war ein Traum. Der Host vermietet einen Raum mit sechs Betten in seinem eigenen Haus und man lebt quasi „mit ihm“ in seiner Wohnung. Man hat viel Kontakt zu den anderen Gästen, sodass man schnell neue Bekanntschaften macht, aber ich glaube, dass das generell ein positiver Aspekt an Hostels ist.

Timisoara ist eine recht interessante Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten, doch dafür fehlt mir leider die Zeit; ich konnte nur am Abend einmal durch die Innenstadt laufen.

 


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