#13 Mary — Turkmenabat — Bukhara/Samarkand — Dushanbe

#13 Mary — Turkmenabat — Bukhara/Samarkand — Dushanbe

Von Mary brach ich an diesem Morgen früh auf, wollte ich doch meine verfügbare Zeit in Türkmenabat (mit oder ohne „ü“, geht beides) maximieren, weil ich dort tatsächlich einen Gastgeber für die Nacht gefunden hatte.
Türkmenabat ist der letzte Ort vor der turkmenisch-usbekischen Grenze und sollte als Quartier für meine letzte Übernachtung im Land dienen.

Die Straße war ein Albtraum und verglichen mit dem, was ich bisher als schlecht bezeichnet habe, ein Witz — es war wirklich unschön und kein Spaß. Aber gut, so ist das halt und lässt sich ja auch nicht ändern; nichtsdestotrotz habe ich für die Strecke von knapp 250 Kilometern fast sechs Stunden gebraucht. Die Piste führt quer durch die Wüste und man sieht nur wenige Autos, dafür aber umso mehr Kamele und geplatzte Reifen am Straßenrand. Was hab’ ich ein Glück, dachte ich, dass mir auf der langen Strecke bisher kein Reifen kaputtgegangen ist!

Achtung!

Zum Glück nicht auf der Straße, kommt oft genug vor

Irgendwann, vollkommen gerädert und besser durchgeschüttelt als ein Strawberries & Cream Frappuccino, kam ich dann auch an und wurde von Dovlat, meinem Gastgeber, empfangen. Der Gute spielt Basketball im Nationalteam von Turkmenistan und ist daher schon recht viel gereist, im Gegensatz zu den meisten anderen Turkmenen.
Für die ist es nämlich immer noch schwierig, das Land zu verlassen, wenn man nicht die richtigen Gründe und Kontakte hat. Auch existiert immer noch viel Vetternwirtschaft in Turkmenistan, wie Dovlat mir erzählte; ohne die ausschlaggebenden Connections in die höheren Ämter ist es unmöglich, einen „besseren“ Job zu bekommen, egal wie gut ausgebildet man ist.

Die Korruption spielt hierbei sicherlich auch keine untergeordnete Rolle. Ich fand es gut, dass Dovlat so offen mit mir über die vorherrschenden Umstände in seinem Land sprach. Seine Mutter findet das nicht besonders toll, erklärte er mir, wurde doch sein Großvater wegen kritischen Äußerungen verhaftet. Er ist aber der Meinung, dass es mit einer gewissen Vorsicht kein Problem sein sollte und ich als Reisender auch über die unschönen Seiten informiert werden. Trotzdem beschloss ich, bei etwaigen Fragen an der Grenze nichts von meiner Übernachtung bei ihm zu erzählen.

An diesem Abend lernte ich noch viel über die turkmenische Kultur, die Sichtweisen der Jugend auf ihr Land und konnte mir bei einem Spaziergang ein Bild von Türkmenabat machen.

Mit Dovlat hatte ich mich gut verstanden und war auch diesmal wieder traurig, dass ich gehen musste. Zum Frühstück sahen wir etwas turkmenisches Fernsehen, feinste Propaganda-Nachrichten über die tollen Leistungen des Präsidenten —war interessant anzuschauen.

Der Grenzübergang nach Usbekistan verlief unerwarteterweise zügig und ohne Probleme, nicht einmal mein Auto wurde besonders genau kontrolliert. Die Beamten waren freundlich und ich war glücklich, dass alles nach Plan lief, einfach so wie es sein soll. Ich freute mich auf das Hostel in Usbekistan und ein paar entspannte Tage.

Aber auch hier in Usbekistan wieder eine „Straße“, die mehr aus Löchern als aus wirklicher Straße bestand. Ich rüttelte und slalomte also so vor mich hin, als es plötzlich von irgendwo her einen dumpfen Schlag gab und das ganze Auto erzitterte. Es wollte gar nicht mehr aufhören, aber so riesig kann ein Schlagloch doch gar nicht sein, dachte ich mir. Ich kontrollierte meine Rückspiegel, bremste langsam und vorsichtig ab und steuerte auf den rechten, gekiesten Fahrbahnrand zu. Ich hatte eine böse Vorahnung.

Ich stieg aus und begutachtete die beiden Reifen auf der linken Seite: Alles gut, keine Löcher, genug Luft. Ich lief langsam ums Auto herum, und dann sah ich es: Der rechte, hintere Reifen lag zusammengesackt und plattgedrückt auf dem Asphalt, das Heck meines Audis hing traurig nach unten. Na super. Es hatte ihn erwischt.

Ich öffnete den Kofferraum und begann, jegliches Zeug zu entladen, denn natürlich lag das Reserverad plus Wechselequipment in den unteren Tiefen des Gepäckabteils. Ich ertappte mich dabei, wie ich sogar eine Warnweste anzog, aber Sicherheit geht vor, selbst in Usbekistan wo mich höchstens ein Eselkarren überholen würde. Das Warndreieck sparte ich mir, zu viel Sicherheit muss dann auch nicht sein.

Unter den Blicken der glotzenden Usbeken („Leute, fahrt doch einfach weiter oder helft mir“) wechselte ich das Rad; nach einer guten Viertelstunde war der ungeplante Pit-Stop (leider ohne Lollipop) erfolgreich abgeschlossen, sodass die rollende Fortbewegung wieder weitergehen konnte.

Geschult durch die Durchsuchungsaktion an der turkmenischen Grenze hatte ich alles innerhalb kürzester Zeit wieder verstaut und konnte weiterfahren, es waren nur noch knapp 20 Kilometer bis zu meiner Unterkunft.

Ich verbrachte ein paar Tage in den Städten Bukhara und Samarkand in Usbekistan. Es war ganz schön, aber nicht allzu spektakulär, wenn man vorher im Iran war, es sieht alles doch recht ähnlich aus — aber trotzdem schön.

Bukhara

Typisch zentralasiatischer Basar, Bukhara

Unter all den islamischen Gebäuden übersieht man schnell den sowjetischen Einfluss

Die beiden Städte sind Highlights in Usbekistan und sollten auf jeden Fall besucht werden, auch wenn in Bukhara bereits einige deutsche Rentner-Gruppen mit Bussen die Stadt unsicher machen.

Registan, Samarkand, bei Tag…

…und bei Nacht

Ich traf in Bukhara auch Nicole und Alex von travelnotes, die mit ihrem Mercedes-Lkw bis nach Australien wollen.

Am Tag der Arbeit stand die Fahrt nach Tadschikistan auf dem Programm, die ich mit zwei Passagieren absolvierte, welche ich im Hostel in Samarkand kennengelernt hatte. Es war schön, mal wieder Mitfahrer zu haben. Zum einen Niamh („Niew“) aus Irland und Alexander aus Russland, der schon seit Bukhara mit mir mitfuhr, beide leisteten großartige Gesellschaft.

Die Route führte uns quer durch die tadschikischen Berge, steile und kurvige Passstraßen hinauf und am höchsten Punkt auf 2.500 Metern durch den Ansob Tunnel, besser bekannt als „Tunnel of Death“. Ja, der heißt wirklich so, nicht nur weil dort drin auch tatsächlich Menschen gestorben sind. Der Tunnel ist mehr als 5 Kilometer lang, eng, hat keine Belüftung und kaum Beleuchtung.

Der Eingang zum Tunnel

Huiuiui.

Hört sich gefährlich an, ist es irgendwie auch, aber die einzige Möglichkeit die Berge hinter sich zu bringen, es führt also kein Weg dran vorbei.

Wir haben es überlebt.

Ansonsten war die Straße selbst für mich als unerfahrenen Alpin-Fahrer ganz ok, man muss nur ein bisschen aufpassen und sich gut konzentrieren, denn teilweise fährt man direkt am Abgrund entlang — ein Fehler, und das wars.

Die tadschikischen Fahrer machen sich nicht wirklich Gedanken über ihre Sicherheit, es wird selbst bergauf, bergab in den Kurven überholt, was alle 10 Minuten zu einer brenzligen Situation führt, auch als Unbeteiligter gerät man schnell in Gefahr.

Ein anderes, weitaus angenehmeres Verkehrshindernis sind die Schäfer, die ihre Herden durch die Berge treiben, sodass die Straße dann erstmal blockiert ist. Gehört dazu.

Wir kamen dann schließlich auch in der Hauptstadt Tadschikistans, Dushanbe, an, und ich wollte mich erstmal von der Fahrerei erholen, was meiner Meinung nach keine schlechte Idee war. Auch der Audi hatte sich eine Pause verdient.


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